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"Ene, mene, muh - du gehörst dazu",
früherer Titel: "Ene, mene, muh - raus bist Du!"


PROJEKTBESCHREIBUNG
Nach den Erfahrungen im Grundschulbereich
entwickelte die Puppenbühne "Knirpsenland"
zusammen mit der Prävention der Polizeidirek-
tion und verschiedenen Kindergartenleitungen
ein Theaterstück für Kinder im Kindergartenalter
zum Thema Gewalt/Mobbing, da bereits im Kin-
der- garten körperliche als auch verbale Gewalt
in Form von Mobbing oftmals zum Alltag der Kin-
der gehört. Mangelndes Selbstwertgefühl, Into-
leranz, Unwissenheit und Ängste sind nicht nur
Auslöser von Konfliktsituationen zwischen Eltern
und Erziehern, sondern auch zwischen Kindern.
Kinder reagieren teilweise mit einem gestörten
Verhältnis zu sich selbst, zu anderen Kindern &
auch zu ihren Bezugspersonen. Eltern sind oft-
mals entweder überfordert, verunsichert oder
gleichgültig in der Erziehung.

Ferner ist der Anteil von Kindern aus anderen
Kulturkreisen (Spätaussiedler, Migrationshinter-
grund) gewachsen. Sprachbarrieren sind häufig
Ursache für Kommunikations- und Integrations-
probleme zwischen Kindern. Deshalb soll die
positive Persönlichkeitsentwicklung, soziale Inte-
gration, sowie Toleranz, positives Konfliktverhal-
ten und die Stärkung des Selbstbewusstseins
gefördert werden. Das Projekt gliedert sich in
drei Bausteine:

Baustein 1: Puppenspiel
Die Kinder werden über Tierfiguren und ihnen be-
kannten Verhaltensweisen mit dem Thema Gewalt
konfrontiert. Sie sind während des etwa 30 Minuten
dauernden Stückes zur situationsbezogenen Mitar-
beit aufgefordert und bringen sich bis zum ergeb-
nisoffenen Ende des Puppenspiels in die Hand-
lung mit ein. Es geht in dem Theaterstück um ein
neu in die Kindergartengruppe kommendes
Schweinchen, das alle Höhen und Tiefen eines
Neuanfangs in einer bestehenden Gruppe erlebt.
Ein weiteres Thema ist Mobbing aufgrund von
Kleidung, Äußerlichkeiten und andersartigen Ver-
haltensweisen. Im Theaterstück wird das an einem
Hasen, der ständig ausgegrenzt wird, gezeigt. Die
Bestimmer-Ratte wird zu einer zentralen Figur. Im
Verlauf des Stückes ändern sich die Prioritäten.

Durch gelebte Zivilcourage einiger Tier-Kinder wer-
den dem "Bestimmer" Grenzen gesetzt, er erlebt
eine umgekehrte Situation. Auch die "Bewunderer"
wenden sich von ihm ab. Das Stück endet mit der
offenen Frage, ob der "Bestimmer" der jetzt ausge-
grenzt ist, noch einmal eine Chance erhalten soll.
Dies entscheiden die Kinder in der dem Stück
folgenden Nachbereitung durch die Puppenspieler.
Anschließend wird eine kindgerechte Nachberei-
tung für die älteren Kinder mit einem Mitarbeiter
der Kriminalprävention angeboten. Durch Rollen-
spiele unter Mitwirkung einer Polizisten-Puppe
soll den Kindern verdeutlicht werden, dass man
Konflikte sichtbar machen und lösen kann, auch
ohne körperliche oder verbale Gewalt einzusetzen.
Probleme werden gemeinsam besprochen und
anschließend Lösungsbeispiele gesucht. Am
Nachmittag findet eine Informationsveranstaltung
der Polizei für Eltern und Erzieher/innen statt.

Baustein 2: Nachbereitung
Die Nachbereitung der Präventionsinhalte wird durch die Erzieherinnen in Form von Gesprächen, Spielen, Malen u.ä. mit den Kindern und evtl. Gesprächen mit den Eltern vorgenommen.

Baustein 3: Aufbereitung und Darstellung
Das Projekt wird mittels Präsentation/Ausstellung nochmals aufbereitet.


ERFAHRUNGEN/EVALUATION
Im Zeitraum vom Juni 2005 bis Juli 2006 wurde
das Projekt insgesamt an 17 Kindergärten im
Bodenseekreis durchgeführt. Noch während der
Startphase wurde der Projektname in "Ene, mene,
muh - Du gehörst dazu!" umbenannt, um eine
positive Signalwirkung zu vermitteln. Während der
ersten Aufführungen stellte sich heraus, dass die
Problematik "Verdächtiges Ansprechen" einen ho-
hen Stellenwert besitzt und evtl. mit in das Stück integriert werden sollte. So wurde in Absprache
mit der Kriminalprävention und den Kindergärten
in zwei Szenen ganz vorsichtig und ohne erhobenen
Zeigefinger diese Thematik mit eingebracht und wird
seitdem mit diesen Szenen gespielt. Auch bei der
kindgerechten Nachbereitung wurde dieses Thema
integriert.

Schon bei den ersten Veranstaltungen wurde fest-
gestellt, dass die EItern mit dem Thema "Gewalt"
keine direkte Verbindung zu ihren Kindern knüpfen
konnten. Deshalb wurde dieses Thema mit "Ver-
dächtigem Ansprechen" und "Sexuellem Miss-
brauch" verbunden. Schwerpunkt war, wie Kinder
und Eltern dieser Gewalt begegnen und was Kin-
der gegen Gewalt im Kindergarten selbst tun kön-
nen. Die Evaluation erfolgte durch eine Situations-
und Problembeschreibung der jeweiligen Kinder-
garteneinrichtung vor und nach den Präventions-
maßnahmen durch Befragung und Beobachtung
(Vorher- Nachher-Vergleich). Hier konnte bei acht
Rückmeldungen von 17 beteiligten Kindergärten
festgestellt werden, dass die Gewaltbereitschaft
nach dem Projekt niedriger war und sich das Grup-
penklima verbessert hatte.

Von dem Puppentheaterstück war die eindeutige
Mehrheit begeistert, die Kinder haben darauf nicht
ängstlich reagiert; im weiteren Tagesablauf spra-
chen die Kinder über das Stück, Inhalte wurden
jedoch kaum imitiert. Auf die kindgerechte Nach-
bereitung durch die Kriminalprävention reagierten
die Kinder sehr interessiert, überhaupt nicht ängst-
lich und sprachen im weiteren Tagesablauf intensiv
darüber. Hier erfolgte ein Imitieren von Inhalten ins-
besondere zum "Nein-sagen': Die Elterninformation-
veranstaltung durch die Kriminalprävention wurde
als sehr informativ gewertet, Interesse konnte bei
den beteiligten Eltern geweckt werden. Inwieweit
jedoch Verhaltensänderungen bei den Eltern be-
wirkt wurden, ist durch den Kindergarten nicht im-
mer feststellbar. Die Projekt begleitenden Maß-
nahmen und die Nachhaltigkeit des Projektes wur-
den von den Kindergärten sehr positiv aufgenom-
men. Die Thematik bzw. deren Inhalte wurden u.a.
durch Workshops, Basteln, Theater, Tanzen, Kochen,
Gespräche, Malen, Lieder, Fingerspiele, Gefühle-
spiele, Regelerstellen, Pantomime und Fotoaus-
stellungen gefestigt. Das Projekt wurde durch die
Kindergärten insgesamt als sehr positiv bewertet.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Mit dem
Projekt gelingt es, bei den Beteiligten ein erstes
Nachdenken zu bewirken und einen frühen Bau-
stein zur Gewaltprävention und zum Integrations-
gedanken zu setzen. Die Tierfiguren sind eine ge-
lungene Adaption für tatsächlich stattfindende Situ-
ationen, die den Kindern bekannt sind. Sie sind
noch lange nach dem Projekt in den Köpfen der Kinder und können immer auf- und abgerufen wer-
den. Durch die Einbeziehung der Kinder, der Erzie-
herinnen und der Eltern wird eine höchstmögliche
Resonanz erzielt - auch ist eine Nachbereitung in
der Familie möglich.

FINANZIERUNG
Gesamtkosten:
15.900 Euro, FJK-Fördermittel:
  5.300 Euro, Restfinanzierung mit Eigenanteil
der Kindergärten von 100 Euro pro Aufführung

BETEILIGTE INSTITUTIONEN
Puppenbühne Knirpsenland, Kindergärten im Bodenseekreis, Polizeidirektion Friedrichshafen